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Der Wald – Natur und Wirtschaftsfaktor zugleich

Wald im Frühjahr

Das Ökosystem Wald

Der Wald, das grüne Drittel der Bundesrepublik, besteht aus schätzungsweise 30 Milliarden Bäumen. Jeder einzelne stellt ein einzigartiges Wunderwerk der Natur dar. Der Baum produziert seine Biomasse, wie alle grünen Pflanzen, praktisch aus dem „Nichts“, nämlich vor allem aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenenergie. Tagsüber nehmen die Blätter das Kohlendioxid aus der Luft auf und produzieren daraus mit Hilfe des Chlorophylls Traubenzucker, der als Energiequelle und Baustoff für weitere chemische Prozesse benötigt wird. Durch Verkettung der Zuckermoleküle entsteht beispielsweise Zellulose, der Hauptbestandteil von Holz. Als „Abfallprodukt“ wird dabei noch Sauerstoff freigesetzt. Eine 100jährige Eiche mit 130.000 Blättern, ihren biologischen Solarzellen, bindet jährlich rd. 5.000 Kilogramm Kohlendioxid zu organischen Substanzen wie Holz, Blätter und Rinde und gibt dabei bis zu 4.500 Kilogramm Sauerstoff ab; das ist der Jahresbedarf von elf Menschen. Gleichzeitig arbeitet der Baum wie eine Klimaanlage. Die Wurzeln der genannten Eiche saugen jährlich etwa 40.000 Liter Wasser aus dem Boden, das die Blätter wieder „ausschwitzen“. Die dabei erzeugte Verdunstungskälte sorgt dafür, dass es im Wald selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl ist. Außerdem filtert sie im Jahr etwa eine Tonne Staub und Schadstoffe aus der Luft, wirkt also wie ein überdimensionaler Staubsauger. Diese an sich positive Klimawirkung stellt bei zu hohem Stoffeintrag jedoch ein erhebliches Problem für das Waldökosystem dar (siehe: Dem Wald drohen Gefahren).

Grafi: Ökosystem Wald

Wald nützt, schützt und bietet Erholung

Der Wald spielte für die Menschen schon immer eine wichtige Rolle. Ursprünglich versorgte er sie mit Nahrung, Brennholz, Werk- und Baustoffen, lieferte Futter für ihre Haustiere. Der Wald hat also immer viele Funktionen erfüllt. In der Vergangenheit stand allerdings seine wirtschaftliche Funktion im Vordergrund.

Auch heute hat der Wald als Rohstofflieferant noch erhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Aber die Schutz- und Erholungsfunktion haben in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland stark an Bedeutung gewonnen.

HolzstapelDie Nutzfunktion

Unter der Nutzfunktion versteht man die wirtschaftliche Bedeutung des Waldes:

Er liefert den nachwachsenden, umweltfreundlichen und kohlendioxidneutralen Rohstoff und Energieträger Holz,
ist dabei Rohstoffbasis für die heimische Holz- und Papierwirtschaft,
ist Grundlage für die Einkommen der Waldbesitzer und
stellt Arbeitsplätze gerade im strukturschwachen ländlichen Raum bereit.

BachDie Schutzfunktion

Der Wald erfüllt außerdem eine Vielzahl von Funktionen, die dem Schutz von Mensch und Umwelt dienen:

Er reguliert den Wasserhaushalt und sichert unsere Trinkwasserversorgung,
schützt vor Geröll- und Schneelawinen sowie vor Erosion,
wirkt ausgleichend auf unser Klima und reinigt die Luft,
bindet Kohlendioxid in der Biomasse und trägt dadurch zur Verminderung des sog. Treibhauseffektes bei,
schützt vor Lärm,
trägt wesentlich zum Biotop- und Artenschutz bei und
hat positive Auswirkungen auf das Landschaftsbild.

SkiläuferDie Erholungsfunktion

Auch für Freizeit und Erholung spielt der Wald eine wichtige Rolle. Vor allem Menschen in Städten und Ballungszentren nutzen ihn, um Entspannung und Erholung zu finden. Schon Erich Kästner meinte „Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um“.

Aufgrund von Regelungen im Bundeswaldgesetz besteht ein generelles Betretungsrecht im Wald. In besonders schutzwürdigen Gebieten kann dieses Recht allerdings eingeschränkt werden (s. auch: Betretensrecht für alle).

Der Wald – ein Kulturgut

Die Bedeutung des Waldes für den Menschen ist mit seinen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen keineswegs vollständig erfasst. Der Wald ist tief in der Kultur unseres Landes verwurzelt. Die Worte Wald und Baum sind in vielen Redensarten und Sprichworten enthalten („vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen“, „auf dem Holzweg sein“). Sie sind in zahlreichen Sitten und Gebräuchen gegenwärtig („Maibaum aufstellen“), in Ortbezeichnungen („Waldsrode“) und in Familiennamen („Förster“) überliefert und mit Märchen und Sagen („Hänsel und Gretel“; „Das Wirtshaus im Spessart“) eng verknüpft. Wald und Bäume sind in Dichtung, Literatur, Malerei und Musik aller Epochen lebendig geblieben („Der Freischütz“, „Tannhäuser“). Von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten, stammt der Ausspruch „Holz ist ein einsilbiges Wort, aber dahinter verbirgt sich eine Welt der Märchen und Wunder“.

BuchKleine Waldchronik

12.000 v.Chr. (Altsteinzeit)
Zunehmende Erderwärmung, Kältesteppe entwickelt sich zu Wald (Zeit nomadisierender Jäger und Sammler)

1.800 v.Chr. (Bronzezeit)
Beginn der Nutzung von Wäldern für die Holzkohleproduktion zum Schmelzen der Erze, konzentriert auf wenige Erzlagerstätten.

Christi Geburt
Land schon teilweise dicht besiedelt. Ein Viertel der Waldfläche gerodet.

800 (Karolingerzeit)
Anhaltende Rodungstätigkeit, auch in weniger siedlungsgünstigen Gebieten.

1000
Rodungen großen Ausmaßes. Wälder teilweise schon in desolatem Zustand.

1300
Angst vor Holznot (frühe Energiekrise). Erste obrigkeitliche Forstordnungen („Weistümer“). Versuche, die hemmungslose Holznutzung und das ungezügelte Roden zu unterbinden.

1500
Wald auf seine heutige Ausdehnung zurückgedrängt (ca. 30 % der Gesamtfläche). Danach Anfänge einer geregelten Forstwirtschaft.

1700
Mit Zunahme der Bevölkerung nach 30jährigem Krieg wieder Angst vor Holznot. Anstoß zu wissenschaftlich begründeter Forstwirtschaft. Erste Anbauversuche mit ausländischen Baumarten.

1800
Erste Meisterschulen. Später Forstfakultäten an Hochschulen. Nach 1825 intensive Wiederaufforstungsversuche. In Revolutionsjahren um 1848 nochmals viele Waldungen verwüstet, große Heidegebiete entstehen.

1850
Forstwissenschaft und Forstwirtschaft nehmen beträchtlichen Aufschwung. Auf großen Flächen entstehen ertragreiche Wälder.

1950
Wiederaufforstung der im Zweiten Weltkrieg und infolge der Reparationshiebe entstandenen ausgedehnten Kahlflächen.

1975
Bundeswaldgesetz

Ein Blick nach vorne

Da nichterneuerbare Rohstoffe, wie z.B. Erdöl und Erdgas, nur begrenzt zur Verfügung stehen, dürfte dem nachwachsenden und umweltfreundlichen Werkstoff und Energieträger Holz im nächsten Jahrtausend wieder eine stärkere Bedeutung zukommen. Holz könnte einer der wichtigsten Rohstoffe der Zukunft werden. In deutschen Wäldern steht dafür ein hohes Nutzungspotenzial zur Verfügung.

Deutschland: Zu einem Drittel bewaldet

Deutschland ist eines der waldreichen Länder der EU. Rund 10,7 Mio. Hektar, knapp ein Drittel der Gesamtfläche unseres Landes, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil sehr stark, z.B. zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 61 Prozent im Landkreis Regen (Bayern).

Flächennutzung in Deutschland
Grafik: Flächennutzung
Gesamtfläche: 35.694.700 Hektar
Baumarten-Verteilung in Deutschland
Grafik: Baumarten-Verteilung

In den letzten vier Jahrzehnten nahm bei uns der Wald um ca. 1/2 Mio. Hektar zu. Mit 56 Prozent wurde wieder ein beachtlicher Laub- und Mischwaldanteil erreicht. Auch stieg der Anteil der über 80jährigen Bestände von einem Viertel auf ein Drittel der Waldfläche an. Die Holzvorräte in Deutschland liegen bei 270 Kubikmeter je Hektar. Im europäischen Vergleich hat Deutschland damit einen führenden Platz. Dies alles ist das Ergebnis der Bemühungen, nach den großen Waldverwüstungen des vorigen Jahrhunderts und den Kahlschlägen infolge der beiden Weltkriege wieder ertragreiche und ökologisch wertvolle Wälder aufzubauen.

Waldvorkommen in Deutschland
Grafik: Wladvorkommen in Deutschland

Quelle: Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Institut für Ökonomie, Hamburg, 1997

 

Die weitere Anhebung des Laub- und Mischwaldanteils ist heute ein wichtiges Ziel. Privatwaldbesitzer und ländliche Gemeinden können dabei über staatliche Fördermaßnahmen unterstützt werden. So erfolgte die Wiederaufforstung nach den schweren Stürmen von 1990 zu über 90 Prozent mit Laubholz- und Mischkulturen.

Wem gehört der Wald?

Den Besitz am Wald teilen sich private Personen, Körperschaften (v.a. Kommunen) und der Staat (v.a. die Bundesländer). Landwirtschaftliche Betriebe haben im Durchschnitt 5 Hektar Waldfläche, die meist auf mehrere Parzellen verteilt sind. Mit einer durchschnittlichen Waldfläche von 175 Hektar sind die Betriebe des Körperschaftswaldes deutlich größer. Die flächenmäßig größten Betriebe gehören dem Staat. Ein staatliches Forstamt bewirtschaftet im Durchschnitt knapp 3 500 Hektar Landeswald und nimmt zumeist auch Betreuungs- und Beratungsaufgaben für den Privat- und Kommunalwald wahr. Der Bund selbst besitzt derzeit gut 410 000 Hektar. Es handelt sich hier vorwiegend um Wälder mit militärischer Zweckbindung.

Anteil des Waldes in den Bundesländern (in Prozent)

Baden-Württemberg 38
Bayern 36
Berlin 18
Brandenburg 34
Bremen   0
Hamburg 5
Hessen 41
Mecklenburg-Vorpommern 23
Niedersachsen 23
Nordrhein-Westfalen 26
Rheinland-Pfalz 41
Saarland 35
Sachsen 27
Sachsen-Anhalt 21
Schleswig-Holstein 10
Thüringen 32

Deutschland insgesamt 30

Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse

Viele Waldeigentümer haben bei uns einen kleinen und zersplitterten Waldbesitz, der nur schwer zu bewirtschaften ist. Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse sollen als Selbsthilfeeinrichtungen die wirtschaftliche Situation dieser Betriebe verbessern. Die Betriebsarbeiten können als gemeinsame Dienstleistung ausgeführt werden. Dazu gehören u.a. die Ernte von Holz und anderen Forstprodukten, das Anlegen und Pflegen von Forstkulturen, Bestandespflegearbeiten sowie der Bau und die Unterhaltung von Wegen. Weiterhin können Forstprodukte gemeinsam vermarktet oder Maschinen zur gemeinsamen Nutzung angeschafft werden. Solche Formen der Zusammenarbeit gibt es bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Eine einheitliche rechtliche Grundlage erhielten die Zusammenschlüsse aber erst 1969 im Gesetz über Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse, das 1975 im Bundeswaldgesetz aufgegangen ist. In Deutschland gibt es derzeit rd. 5.400 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 446.000 Mitgliedern, die zusammen 3 Mio. Hektar Wald besitzen. Das entspricht knapp einem Drittel unserer Waldfläche.

Waldbesitz in Deutschland
Grafik: Waldbesitz

- Fortsetzung -

 

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